von Nick Norwitz
Nick Norwitz stellt in seinem Talk zur Herzgesundheit fünf besondere „Werkzeuge“ vor. Sein Ausgangspunkt beruht auf seiner Erfahrung: Trotz jahrelang sehr hoher Cholesterinwerte zeigte seine erweiterte Herzbildgebung keine sichtbaren Plaques. Daraus leitet er die Frage ab: Was macht Gefässe widerstandsfähig gegen Atherosklerose, Herzinfarkt und Gefässalterung?
Seine Antwort ist nicht ein einzelner Stoff und nicht ein einzelner Laborwert. Norwitz betrachtet mehrere biologische Ebenen zugleich: Blutgerinnung, Entzündung in der Gefässwand, Blutdruck, Blutzucker, Nervensystem, Omega-3-Status, oxidativen Stress und genetische Risikofaktoren wie Lp(a).
1. Nattokinase: Unterstützung für Blutfluss und Plaqueprozesse
Nattokinase ist ein Enzym aus Natto, einem fermentierten Sojaprodukt aus Japan. Norwitz beschreibt es als ein Werkzeug, das Fibrinabbau, Blutgerinnung, Blutdruck und oxidativen Stress beeinflussen könnte.
Besonders erwähnt er eine Humanstudie, in der hochdosierte Nattokinase über ein Jahr mit einer Reduktion der Karotis-Intima-Media-Dicke und der Plaqueoberfläche verbunden war. Das ist spannend, aber nicht als Beweis zu verstehen, dass Nattokinase bei jedem Menschen Plaques „auflöst“.
Praktisch wichtig: Nattokinase kann die Gerinnung beeinflussen. Bei Blutverdünnern, Operationen, Blutungsneigung oder sehr niedrigem Blutdruck ist Vorsicht nötig.
2. TUDCA/UDCA: Entzündung in der Gefässwand beruhigen
TUDCA ist eine Gallensäureverbindung, die Norwitz als eine Art „biologisches Kühlpack“ beschreibt. Seine zentrale Botschaft: Atherosklerose ist nicht einfach eine passive Cholesterinablagerung, sondern ein aktiver Entzündungsprozess in der Gefässwand.
Wenn ApoB- oder LDL-haltige Partikel in die Arterienwand gelangen, können Immunzellen aktiviert werden. Daraus entstehen Schaumzellen, die Plaquewachstum und Plaqueinstabilität fördern. TUDCA wird als Substanz diskutiert, die zellulären Stress und Entzündungsreaktionen abschwächen könnte.
Norwitz erwähnt zudem eine mögliche Verbindung zu Statinen: Diese können Gallensäuren wie UDCA beeinflussen und dadurch bei manchen Menschen Blutzucker und Insulinsensitivität ungünstig verändern. Für die allgemeine Herzprävention ist TUDCA/UDCA jedoch noch kein Standard, sondern eher ein interessanter Ansatz bei Stoffwechsel-, Leber- und Entzündungsthemen.
3. HRV, Bewegung und Omega-3: Herz-Nerven-Resilienz stärken
Das dritte Werkzeug ist kein einzelnes Supplement, sondern ein Regulationssystem: die Herzfrequenzvariabilität, kurz HRV. Sie beschreibt die feinen Schwankungen zwischen den Herzschlägen. Eine gute HRV zeigt, dass Herz und autonomes Nervensystem flexibel auf Belastung und Erholung reagieren können.
Norwitz betont zwei Wege, um diese Regulation zu stärken: Zone-2-Ausdauertraining und Omega-3-Fettsäuren.
Zone-2-Training bedeutet moderate Bewegung: zügiges Gehen, Velofahren, Wandern oder leichtes Joggen in einer Intensität, bei der man noch sprechen kann. Diese Trainingsform unterstützt Mitochondrien, Blutdruck, Stoffwechsel, Gefässe und Stressregulation.
Omega-3-Fettsäuren, besonders EPA und DHA, werden in Zellmembranen eingebaut. Sie können Entzündungen modulieren, die elektrische Stabilität von Herz- und Nervenzellen unterstützen und die vagale Regulation fördern. Für Menschen ohne Fischkonsum ist Algenöl eine sinnvolle Alternative.
4. Berberin: Blutzucker, Insulin und ApoB/LDL
Berberin beschreibt Norwitz als ein Stoffwechselwerkzeug. Es kann die Blutzuckerregulation verbessern und zugleich LDL-Cholesterin beziehungsweise ApoB senken.
Der von ihm betonte Mechanismus: Berberin stabilisiert offenbar die mRNA für den LDL-Rezeptor. Dadurch können Leberzellen mehr LDL-Rezeptoren bilden und LDL-Partikel besser aus dem Blut entfernen. Dieser Mechanismus unterscheidet sich von Statinen, die vor allem die Cholesterinsynthese in der Leber hemmen.
Der besondere Reiz von Berberin liegt in der Doppelwirkung auf Zuckerstoffwechsel und Blutfette. Es kann besonders bei Insulinresistenz, erhöhtem Nüchternblutzucker, HbA1c, Triglyzeriden oder metabolischem Syndrom interessant sein. Wegen möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sollte es fachlich begleitet werden.
5. Vitamin C und Lp(a): Gefässwand, Kollagen und oxidativer Stress
Das fünfte Werkzeug ist Vitamin C. Norwitz verbindet es besonders mit Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Lp(a) ist ein genetisch stark bestimmter Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und Aortenklappenverkalkung.
Lp(a) ähnelt LDL, trägt aber zusätzlich Apolipoprotein(a), was das Partikel besonders „klebrig“ und gefässaktiv macht. Norwitz greift hier die Hypothese von Linus Pauling auf: Lp(a) könnte evolutionär teilweise als Reparaturmechanismus für geschädigte Gefässe entstanden sein – besonders beim Menschen, der kein eigenes Vitamin C bilden kann.
Vitamin C unterstützt Kollagenbildung, Gefässstabilität, antioxidativen Schutz und die Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid. Es ist kein Ersatz für die Behandlung eines hohen Lp(a)-Wertes, kann aber Teil eines gefässfreundlichen Nährstoffkonzepts sein. Bei erhöhtem Lp(a) ist es besonders wichtig, alle anderen Risikofaktoren konsequent zu optimieren: ApoB/LDL, Blutdruck, Blutzucker, Entzündung, Rauchen, Schlaf, Bewegung und Gewicht.
Einordnung in das Gesamtbild des Lebensstils
Norwitz’ fünf Werkzeuge sind interessante Bausteine, aber sie ersetzen nicht das Fundament: Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressregulation und gezielte Diagnostik.
Herzfreundlich wirkt vor allem ein blutzuckerstabiler, entzündungsarmer Lebensstil: viel Gemüse, Kräuter, Beeren, Hülsenfrüchte, hochwertige Proteine, Olivenöl, Omega-3-Quellen, regelmässige Bewegung, Krafttraining, gute Schlafqualität und weniger Zucker, Weissmehl und verarbeitete Lebensmittel.
Sinnvoll ist zudem eine differenzierte Kontrolle von ApoB, Lp(a), Triglyzeriden, HbA1c, Nüchterninsulin, hs-CRP, Omega-3-Status, Blutdruck und Bauchumfang. Bei erhöhtem Risiko können Koronarkalk-Score oder Karotis-Ultraschall zusätzliche Orientierung geben.
Dr. med. Nick Norwitz, PhD, ist ein 30 jähriger Forscher und Dozent, dessen Mission es ist „die Stoffwechsellgesundheit zum Mainstream zu machen“. Sein persölicher Motiv: Nick hat erhöhte genetische Risiken, welche die Herz- und Gehirngesundheit (Demenz) betreffen. Nick ist unter www.nicknorwitz.com und in seinem Youtube Kanal zu erreichen.
Gerade weil Nick Norwitz selbst genetisch erhöhte Lp(a)-Werte hat, steht sein Talk an einer besonders spannenden Forschungsfront: der Frage, wie sich Gefässe trotz starker genetischer Risikofaktoren schützen lassen – durch ein Zusammenspiel von Stoffwechselgesundheit, Entzündungsregulation, Omega-3-Status, HRV, Blutzucker, antioxidativem Schutz und Lebensstil.
Die vollständige Info auf 4 Seiten, inkl. Referenzen finden Sie hier (Download, pdf)

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